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Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit sind meiner Meinung nach die beiden schlimmsten menschlichen Emotionen. Sie sind nahe Verwandte; Geschwister wie es scheint. Und sie stehen im direkten Konflikt mit einem Growth Mindset. Wenn Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit regieren, dann bleibt kein Raum für Wachstum, nur für Elend und Verzweiflung. Es ist manchmal auch einfach schwer positiv zu bleiben und Chancen und Möglichkeiten zu sehen. Ich bin da keine Ausnahme. So geht es jedem hin und wieder. Wahrscheinlich sogar häufiger als wir zugeben möchten.

Doch wie reißen wir das Ruder wieder herum? Wie entdecken wir den kleinen Hoffnungsstrahl und ergreifen die Chance auf Veränderung? Auch wenn ich positive Affirmationen sehr gerne habe, sind sie in solchen Fällen meist nicht stark genug, um aus solch einem Tief zu helfen. Was jedoch funktioniert sind nachdenklich stimmende Fragen. Fragen, die euch aus dem Status Quo ziehen und den Blick auf eine optimistischere Zukunft lenken.

Sich selbst Fragen zu stellen ist eine Form der Selbstreflektion und die Qualität der Fragen entscheidet die Richtung in die ihr geht. Fragen sind nicht gleich Fragen. Die Art der Fragen bestimmt über das Ergebnis. Was wir suchen sind Fragen voller Möglichkeiten.

Fragen der Einschränkung

Bevor wir uns den Fragen voller Möglichkeit widmen möchte ich einen Blick auf das Gegenteil werfen. Fragen der Einschränkung sind das Gift, welches ihr aus eurem Leben streichen solltet, auch wenn dies leichter gesagt als getan ist. Wir sind Gewohnheitstiere und jahrelange Fragen der Einschränkungen hinterlassen ihre Spuren. Lasst euch jedoch nicht entmutigen, denn nach der anfänglichen Herausforderung wird es immer leichter.

Fragen der Einschränkung sind all diese Fragen und Aussagen, die uns selbst schlecht oder kleiner reden, die uns unserer Handlungsfähigkeit berauben und uns tiefer in unserem Elend versinken lassen.

Sie können durchaus von anderen Leuten kommen, doch sind sie ungleich schlimmer, wenn wir sie selbst wiederholen. Wenn uns jemand an den Kopf wirft „Glaubst du wirklich, dass du das kannst? Wer glaubst du eigentlich, dass du bist?“, dann könnt ihr auf unterschiedliche Weise reagieren. Seid ihr einigermaßen selbstbewusst und habt ein gesundes Growth Mindset, dann denkt ihr euch vermutlich etwas wie „Wieso sollte ich das nicht können? Wieso sollte ich solch einem giftigen Kommentar Beachtung schenken?“. Fühlt ihr euch jedoch verletzt und seid in einem Fixed Mindset gefangen, dann klingen die Gedanken eher wie „Oh er hat doch recht. Wer bin ich, so etwas tun zu wollen? Hab ich es nicht schon früher vermasselt?“. Im letzteren Beispiel werden die kritischen Kommentare verinnerlicht und gewinnen Macht. Glaubt ihr, dass diese Person ihren eigentlichen Plan umsetzen wird? Wahrscheinlich nicht…

Eine Person mit Fixed Mindset „braucht“ jedoch keine externe Person, um sich selbst klein zu reden. So jemand hat diese Art von Fragen verinnerlicht und quält sich selbst damit. Ihr realisiert es vielleicht nicht, doch die meisten von uns tun dies das eine oder andere mal. Es sind hinterhältige und leise Zweifel. Sie nisten sich in unseren Herzen ein und hindern uns am Wachsen und am Lernen.

Ich kann kein Mathe, wieso sollte ich es überhaupt versuchen?

Glaubst du wirklich, dass Reisen eine gute Idee ist?

Warum trifft es immer ich?

Du hast doch früher schon versagt, wieso sollte es diesmal anders sein?

Ein wichtiges Detail ist die rhetorische Natur dieser Fragen. Tatsächlich sind solche Fragen viel eher Aussagen, als Fragen. Worte haben immense Macht und eine vernichtende Aussage als Frage formuliert, ist die schlimmste Verwendung von Worten überhaupt.

Fragen voller Möglichkeiten

Lasst uns unsere Aufmerksamkeit nun den Fragen der Möglichkeiten widmen. Durch solche Fragen verschiebt sich eure innere Einstellung, euer Mindset, von stagnierend und hoffnungslos zu handlungsfähig und optimistisch. Während Fragen der Einschränkung den Fokus auf alles schlechte und schlimme richtet, konzentrieren sich Fragen der Möglichkeiten auf mögliche nächste Schritte und Lernpotential. Statt im Selbstmitleid zu versinken, stellt ihr euch selbst Fragen, die euch einen Weg nach vorne zeigen.

Dies ist immens wichtig, denn so trainiert ihr eure Wahrnehmung von Möglichkeiten und ihr werdet euch eurem inneren Kritiker bewusst, der euch am wachsen hindern möchte. Fragen voller Möglichkeiten sind immer ermächtigend und für gewöhnlich sind sie nicht rhetorisch, sondern bedürfen einer Antwort von euch.

Was kann ich aus dieser Misere lernen? Wie kann ich künftig anders reagieren, um beim nächsten Mal ein besseres Ergebnis zu erhalten?

Welche Hindernisse befinden sich in meinem Weg und wie kann ich sie neutralisieren?

Was kann oder muss ich als nächstes tun?

All diese Fragen fördern euer Weiterkommen und zeigen euch euer Wachstumspotential. Es ist völlig normal, etwas zu vermasseln und überwältigt oder gar geängstigt von Aufgaben und Möglichkeiten zu sein. Was jedoch nicht normal sein sollte ist die eigene Handlungsfähigkeit aufzugeben und in dem Gefühl zu versinken, keine Macht über das eigene Leben zu haben. Diese Macht habt ihr.

Ich werde euch ein paar Situationen und damit einhergehende Fragen zeigen, die ihr euch von nun an stellen könnt. Selbstverständlich könnt ihr eure eigenen bestärkenden Fragen verwenden oder hier genannte auf eure Bedürfnisse anpassen 🙂

Im Fall von Misserfolg

Was kann ich aus diesem Misserfolg lernen?

Wo liegt der Grund für den Misserfolg und was kann ich tun, um ein besseres Ergebnis zu erzielen?

Hatte ich alle benötigten Ressourcen? Was hat gefehlt?

Was kann ich tun, um meinen Erfolg zu garantieren oder zu vereinfachen?

Wie kann ich eine Gewohnheit brechen, die mir im Weg steht?

Was habe ich in diesem Misserfolg dennoch richtig gemacht?

Im Fall von Unklarheit oder Unsicherheit

Was liegt in meiner Macht? Wie kann ich handeln?

Was ist der beste nächste Schritt? Wie kann ich vorgehen?

Wie kann ich mich auf den nächsten Schritt vorbereiten?

Habe ich Angst und möchte ich mich von diesem Gefühl aufhalten lassen?

Kann ich jemanden um Rat fragen?

Wie kann ich konstruktiv mit dieser Situation umgehen?

Im Fall von Tat und Handlung

Was ist der beste nächste Schritt zur Erreichung meines Ziels?

Trägt diese Aktivität zur Erreichung meines Ziels bei?

Wen kann ich um Hilfe oder um Rat bitten?

Welche Aufgabe schüchtert mich ein? Vor welcher drücke ich mich?

An welcher Aufgabe kann ich wachsen? Was kann ich lernen?

Würde ein Misserfolg auf lange Sicht wirklich dramatisch sein?

Im Fall von Leben

Ist dieses Ziel oder diese Handlung wichtig für mich und wieso?

Wohin möchte ich gehen und wie komme ich dorthin?

Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte?

Wie kann ich wachsen und mich verbessern?

Für was bin ich in meinem Leben dankbar?

Im Fall von Herausforderung

Funktioniert etwas nicht? Was kann ich dagegen tun?

Wie kann ich mich durchbeißen?

Sind meine aktuellen Handlungen der beste Weg?

Wie kann ich mein Leben vereinfachen und verbessern?

Achte ich auf mich und meine Gesundheit?

Wie kann ich mich verbessern?

Diese Liste soll euch als Einstiegspunkt dienen und hat keinerlei Anspruch auf nur entfernte Vollständigkeit.

Unsere Reise durch das Leben ist ein Prozess und wir werdet alte Einstellungen und Überzeugungen nicht über Nacht ablegen können. Macht euch nicht fertig, wenn ihr in alte Verhaltensmuster rutscht. Erinnert euch einfach an die konstruktiveren Fragen und arbeitet von dort aus weiter.

Habt ihr selbst inspirierende und Gedanken anregende Fragen in petto? Teilt sie mit uns im Kommentarbereich!

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