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Ist es euch auch schon einmal passiert, dass ihr an einem Wochenende oder im Urlaub die freie Wahl hattet und schlussendlich… nichts gemacht habt? Ihr hättet wandern oder slacklinen oder Fahrrad fahren oder schwimmen gehen können oder ihr hättet lesen oder schreiben oder malen oder kochen können… und konntet euch einfach nicht entscheiden, während ihr die Zeit auf Social Media oder auf Netflix vergeudet habt.

Dieses Phänomen tritt dann auf, wenn ihr eine (zu) große Auswahl habt und euch einfach nicht auf etwas festlegen könnt, denn eigentlich wollt ihr alles tun, weil euch alles gleich wichtig ist. Dies wird im englischen Choice Overload genannt, also Überlastung durch Auswahlmöglichkeiten. Wir schauen uns das etwas genauer an und vor allem, was wir dagegen tun können.

Zu viele Auswahlmöglichkeiten paralysieren uns

Ich bin mir sicher, ihr habt bereits von dem Marmeladen-Experiment gehört, bei dem Konsumenten entweder mit 6 oder 24 verschiedenen Marmeladensorten im Regal konfrontiert wurden. Obwohl die 24 Sorten viel mehr Interesse erregten, kauften Kunden rund zehnmal mehr bei der geringeren Auswahl! 10 mal!

Es gab noch eine weitere Studie, die die Kriterien dieses Phänomens beleuchtet. Ihr könnt sie euch hier anschauen, falls es euch interessiert.

Diese Studien konzentrieren sich zwar auf das Konsumentenverhalten, denn natürlich ist die Wirtschaft am Kaufverhalten der Menschen interessiert. Allerdings fällt mir ein ähnliches Verhalten auch in unserem Alltagsleben auf. In meinem zumindest…

Ich bin jemand mit sehr vielen Interessen. Ehrlich gesagt könnte ich wohl mehrere Menschenleben mit all den Dingen füllen, die ich gerne machen möchte und es fällt mir schwer mich auf eines zu beschränken. Und ihr wisst ja, wie oft geraten wird, dass wir uns auf lediglich eine Sache fokussieren. Oh wie sehr ich schon damit zu kämpfen hatte… und manchmal noch immer kämpfe!

In den letzten Jahren habe ich verschiedene Ansätze ausprobiert, um meine Interessen unter einen Hut zu bringen. Manche haben teilweise funktioniert… andere überhaupt nicht. Doch habe ich einige Strategien gelernt, die ich noch immer erfolgreich anwende.

Verwendet Einschränkungen und Grenzen

Menschen sehnen sich nach Freiheit, der Macht unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Allerdings sind wir darin manchmal ziemlich schlecht, wenn wir ehrlich sind. Ich sage jedoch nicht, dass Freiheit etwas schlechtes ist oder dass wir nicht danach streben sollten! Ganz im Gegenteil. Ich denke, dass die freie Wahl ein tief verwurzeltes menschliches Bedürfnis ist, welches nicht erstickt werden darf.

Allerdings denke ich, dass wir alle in uns gehen sollten, um unsere Essenz kennen zu lernen. Was sind unsere tiefsten Werte, Wünsche und Träume? Wenn ihr dies wisst, dann habt ihr eine Art Richtlinie um künftige Entscheidungen zu treffen. Ihr fühlt euch zutiefst mit der Natur verbunden? Dann ist ein Umzug in eine Großstadt wohl nicht gerade die beste Idee. Ihr möchtet irgendwann ein veröffentlichter Autor sein? Dann entscheidet euch für den Schreibclub statt des Gesangskurs.

Einschränkungen, so einschränkend wie sie wirken, sind ein großartiges Instrument. Sie fördern die Kreativität und die Motivation, sie hindern euch am Prokrastinieren und sie verbessern den Fokus. Klingt doch super, oder?

Aber was genau sind diese Einschränkungen? Ehrlich gesagt gibt es viele verschiedene Varianten davon.

Eine ist, wie schon erwähnt, eure Werte und Träume zu kennen. Wenn ihr in Einvernehmen mit diesen handelt, dann ist das tatsächlich eine Form von Einschränkung. Auch wenn es sich – hoffentlich! – nicht so anfühlt. Es erleichtert euch den Entscheidungsprozess und ihr wisst außerdem, welche Motivation hinter der jeweiligen Entscheidung steht.

Falls ihr so viele Interessen wie ich habt, dann findet Regeln für diese. Vielleicht fokussiert ihr euch auf eine oder wenige eurer Interessen und lasst die anderen außen vor. Oder ihr plant Zeitblöcke für einzelne Interessen in euren Kalender. Oder eine Kombination aus beidem. Hierbei geht es um Ausprobieren. Versucht einen Ansatz und seht, was davon für euch funktioniert und was nicht. Ich beispielsweise muss mich auf eines oder maximal zwei Dinge beschränken. Aktuell baue ich gerade ein Unternehmen auf und verfolge deshalb nur eines meiner Interessen. Wenig Auswahl und damit klarer Fokus.

Wenn es um eure Produktivität geht, dann kann ich euch die Pomodoro Methode empfehlen, welche ich hier bereits erläutert habe. Dies ist ebenfalls eine Form von Einschränkung und irgendwie scheinen Menschen durch Einschränkungen über sich hinaus zu wachsen. Ich vermute, dies hat etwas mit unseren frühen Vorfahren zu tun, die in sehr eingeschränkten Umständen Lösungen für Probleme finden mussten.

Verwendet Herausforderungen

Ein weiterer Ansatz der für mich funktioniert sind Herausforderungen. Ähnlich wie Einschränkungen (eigentlich sind Herausforderungen sogar eine Form von Beschränkung) sorgen Herausforderungen für klaren Fokus und wenig Ablenkung.

Für mich sind meine wöchentlichen Ziele eine Herausforderung. Ich versuche – und lerne noch immer – realistische Ziele für die Woche zu setzen, denn unrealistische ruinieren die ganze Aktion. Wenn ihr ein klares und erreichbares Ziel habt, dann seid ihr motiviert, dieses auch zu erreichen. Habt ihr euch jedoch beispielsweise ein tägliches Schreibziel von 10 000 Worten gesetzt, schreibt jedoch nur 500 Worte in der Stunde (was in 20 Stunden pausenlosen Schreibens resultiert), dann wisst ihr bereits vorher, dass dies unmöglich ist. Wieso also solltet ihr euch überhaupt Mühe geben? Daher ist es ungemein wichtig, dass eure Ziele erreichbar sind.

Wie bereits erwähnt konzentriere ich mich außerdem auf immer ein Interesse. Ein Unternehmen aufzubauen kann zeitweilen energieraubend sein, denn es braucht sehr viel Zeit, Aufwand und Fokus. Mit meinen wöchentlichen Zielen erreiche ich so viel wie möglich. Allerdings wissen wir doch alle, dass Willenskraft und Energie endlich sind. Daher möchte ich meine persönlichen Interessen nicht mit der gleichen Art Wochenziele belasten. Ich habe es in der Vergangenheit versucht, z.B. mit täglichen Schreibzielen oder täglichem Malen. Dies hat funktioniert, solange ich jeden Tag dazu gekommen bin, allerdings verlor ich schnell die Motivation, wenn es nicht geklappt hat. Und was noch viel schlimmer ist: Es wurde zur Belastung und fühlte sich wie Arbeit an, wenn es doch für Spaß und Freude sorgen sollte.

Also versuchte ich einen neuen Ansatz. Da ich derart viele Interessen habe und von dieser Auswahl nicht überwältigt werden möchte, muss ich mich auf wenige konzentrieren. Also erstellte ich eine Liste meiner Interessen und begann mich herauszufordern, jede Woche einem anderen Interesse nachzugehen. Das Ziel ist lediglich, mich soviel wie möglich mit dem jeweiligen Interesse zu beschäftigen. Ich habe eine Back/Koch-Herausforderung, eine Näh-Herausforderung, eine Mal-Herausforderung, eine Bastel-Herausforderung und viele mehr. Es funktioniert! Ich liebe es, eine einzelne Aktivität vor Augen zu haben, die obendrein frei von jeglichem Druck ist. Falls ihr ein ähnliches Problem habt, könntet ihr diesen Ansatz ausprobieren.

Irgendwie fühlt sich dieser Artikel ein bisschen queerbeet an, weil ich so viele verschiedene Dinge und Ansätze angesprochen habe. Ich hoffe, ich habe euch damit nicht überwältigt. Falls ihr weitere Informationen möchtet (manchmal habe ich einfach zu viele Details in meinem Kopf – sorry!), dann sagt es einfach. Ich beantworte gerne eure Fragen.

Falls ihr mit zu vielen Interessen kämpft:

  • lernt eure inneren Werte und Träume kennen
  • fordert euch zu jeder Zeit mit einem einzigen Interesse heraus

Falls ihr produktiver sein möchtet:

  • verwendet eine Zeitlimitierung wie die Pomodoro Technik
  • definiert klare und erreichbare Ziele

Lasst mich doch bitte wissen, falls ihr gerne mehr Details zu einem der Ansätze haben möchtet.

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