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Wie ihr wohl bereits bemerkt habt bin ich ein großer Potterhead. Ich liebe Harry Potter seit ich das erste Buch mit nicht mal 10 Jahren gelesen habe und die Besessenheit begleitet mich noch heute. Es ist die Buchreihe, die ich am meisten gelesen habe. Ich habe mir sogar die Hörbücher gekauft, um sie bei Autofahrten hören zu können.

Ich war schon immer fasziniert von J.K. Rowlings Art Hinweise zu streuen, die man beim erstmaligen Lesen nicht als solche erkennt. Das Verstecken von Hinweisen ist eine Fähigkeit, die viele Autoren benötigen unnd heute lernen wir von jemandem, der es immer wieder erfolgreich gemacht hat.

Eine Warnung vorneweg: Dieser Artikel beinhaltet Spoilers. Falls ihr Harry Potter noch nicht gelesen habt (bitte was?!), dann lest auf eigene Gefahr weiter.

In der Masse verstecken

Rowling versteckt wichtige Dinge gerne in einem Berg unterschiedlicher Sachen. Wenn ihr die Aufmerksamkeit eurer Leser durch die Beschreibung von mehreren diversen Dingen ablenkt, dann übersehen sie das eine von Bedeutung.

Das Denkarium ist solch ein Objekt, welches zusammen mit vielen anderen seltsamen Gerätschaften in Dumbledores Büro beschrieben wird. Bei dieser ersten Erwähnung ist nicht klar, wie wichtig das Denkarium künftig wird.

Eine noch wichtigere Stelle passiert im Raum der Wünsche. Harry läuft tatsächlich am Verschwindekabinett vorbei, welches von einigen Todessern verwendet wird, um nach Hogwarts zu kommen. Im Nachhinein denkt man nur „Was?! Wie konnte ich das übersehen?“. Und ebenfalls in diesem Raum wird das Diadem von Ravenclaw erwähnt, welches Harry im letzten Band suchen muss.

Falsche Schlussfolgerungen

Eine ebenfalls effektive Ablenkung der Aufmerksamkeit sind Hinweise, die zu falschen Schlussfolgerungen führen. Beispielsweise kann euer Protagonist eine Situation beobachten, die sich völlig anders präsentiert, als das tatsächliche Geschehen. Noch stärker wird dieser Effekt, wenn der Protagonist selbst ebenfalls zu diesem falschen Schluss kommt.

Wer hat im ersten Band nicht an Snapes Schuld geglaubt? Er hat seine Rolle als widerwärtiger Lehrer ziemlich gut gespielt und wer möchte nicht den Bösewicht in so jemandem sehen? Um diese Vermutung zu bestärken macht Harry Beobachtungen, die dies unterstützen. Er sieht wie Snape Quirrell bedroht und er bekommt mit, wie Snape von Fluffy redet, der in sein Bein gebissen hat. In Kombination mit Hermines Überzeugung, dass Snape Harrys Besen verhext hat, ist es nur menschlich ihn als Bösewicht zu verdächtigen.

Die richtige Lösung ins Lächerliche ziehen

Ein eher mutiger Ansatz ist das Verstecken der Wahrheit zwischen Witz und Lächerlichkeit. Lasst einen Charakter mit Ironie oder Sarkasmus die tatsächliche Wahrheit sagen, ohne dass dieser selbst dies für glaubwürdig hält. Die Leser werden keinen zweiten Gedanken daran verschwenden. Insbesondere, wenn diese Möglichkeit als vollkommen lächerlich dargestellt wird.

Ron macht in allen Büchern einige unerhörte Bemerkungen, die absurd klingen, doch tatsächlich akkurat sind. Beispielsweise witzelt er, dass die maulende Myrte von Voldemort getötet worden sei, was durchaus zutrifft. Außerdem vermutet er schon früh im zweiten Band, dass Lockhart ein Schwindler ist, der die Dinge, die er geschrieben hat, nicht getan hat. Allerdings wird seine Glaubwürdigkeit durch seine Eifersucht auf Hermine gedämpft.

Charaktere erwähnen, bevor sie wichtig werden

Diese Methode hat Rowling ebenfalls mehrfach verwendet und es ist wirklich eine gute Möglichkeit – vor allem für Mehrteiler – wichtige Personen vorzustellen, obwohl sie erst später wirklich am Plot beteiligt sind. Dadurch entsteht der Eindruck einer gut durchdachten Geschichte und die Leser genießen die Realisierung im Nachhinein.

Ist euch bewusst, dass Sirius Black bereits im allerersten Kapitel des ersten Buchs erwähnt wird? Er gab Hagrid sein Motorrad, mit dem dieser Harry zu den Dursleys geflogen hat. Bathilda Bagshot spielte zwar erst in den späteren Büchern eine Rolle, doch wurde sie schon viel früher als Autorin von Eine Geschichte von Hogwarts erwähnt. Ebenfalls findet Grindelwald bereits im ersten Buch Erwähnung, auch wenn seine und Dumbledores Geschichte sehr viel später erzählt wird.

Verwendet Doppelrollen

Wenn ihr einer Sache oder einer Person eine Doppelrolle verpasst, habt ihr idealerweise zwei Wendungen für eure Geschichte. Es ist eine schlaue Möglichkeit um Leser abzulenken, denn diese vermuten nach einer Offenbahrung keine weitere. Allerdings würde ich diese Variante sehr vorsichtig verwenden, denn wenn ihr es zu oft verwendet, kann es langweilig oder offensichtlich werden.

Die wahrscheinlich verblüffendste Geschichte ist die von Severus Snape, der bereits im ersten Band als Bösewicht vermutet und auch in späteren Teilen immer wieder verdächtigt wird. Bis er sich im Halbblut Prinz tatächlich als der Böse heraus stellt, nur um in den Heiligtümern des Todes die Freisprechung zu erhalten und sich als einer der versteckten Helden der gesamten Geschichte zu entpuppen. Verwirrend, aber faszinierend. Eine weitere unerwartete Wendung stellt Tom Riddles Tagebuch dar, welches sich als einer von Voldemorts Horkruxen heraus stellt!

Da habt ihr es. Fünf von Rowling anerkannte Möglichkeiten Hinweise in eurer Geschichte zu streuen, ohne diese zu offensichtlich zu machen. Habt ihr weitere Ideen? Oder eine tiefe Leidenschaft für Harry Potter? 🙂

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