Seite auswählen

Einen Charakter vorzustellen und diesen auf Papier zum Leben zu erwecken ist eine wichtige und herausfordernde Aufgabe. Das simple Aufzählen von Charakteristiken ist einfallslos, unkreativ und einfach nicht akzeptabel. Auch wenn eure Person eine vielschichtige und tiefe Persönlichkeit hat, müsst ihr dies den Lesern ohne deren bewusster Wahrnehmung vermitteln.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wie ihr den Lesern ein Gefühl für das Innenleben eurer Charaktere geben könnt. Heute sprechen wir über das Sichtbarmachen von Charaktereigenschaften durch die Erscheinung eurer Charaktere.

Die eigentliche Geschichte ist zwar der Mittelpunkt und der Fokus eines guten Buchs, doch erst eure Charaktere machen euer Werk großartig. Ich kann dies nicht oft genug erwähnen, denn für mich ist das essentiell wichtig. Sind die Charaktere und deren Beschreibung langweilig oder inkonsistent, dann verliere ich schnell das Interesse am Buch. So wichtig sind authentische und lebendige Charaktere!

Schafft ihr es jedoch Charakteristiken zu visualisieren, dann erschafft ihr automatisch ein klareres Bild im Geist eurer Leser. Der Eindruck einer solchen Person ist ungleich stärker und lebendiger!

Was ihr dabei im Kopf behalten solltet sind Klischees. Manche Beschreibungen sind unglaublich ausgelutscht, wie der Feind, der besonders hässlich ist oder die miesepetrige Person, die sich nur in schwarz kleidet. Auch wenn sie gewisse Eigenschaften verkörpern, wurden sie schon zu oft verwendet und sollten mit äußerster Vorsicht gehandhabt werden.

Wenn ihr euch an die Verkörperung von Eigenschaften macht, würde ich mich auf die wichtigen konzentrieren. Immerhin ist das Ziel eure Person eindrücklicher zu machen und ein Charakterzug, der für die Geschichte oder die Person unwichtig ist, verliert seine Aussagekraft.

Erinnert euch an Luna Lovegood aus Harry Potter. Sie ist eine eher nerdige und seltsame Person, was sich in ihrem Erscheinungsbild und ihrem Verhalten ausdrückt. Neben ihren hervorstehenden Augen und ihrer verträumten und abwesenden Art, ist sogar ihr Kleidungsstil ziemlich exzentrisch.

Aragorn aus Der Herr der Ringe widerum ist ein ruhiger, intelligenter, anpassungsfähiger Mensch mit Führungsqualitäten. Er überspielt seinen hohen Status und seine Macht, indem er herunter gekommene Kleidung trägt und eine unauffällige Körperhaltung einnimmt. Allerdings strahlt er Charisma und Majestät aus, wenn er es für nötig oder angebracht hält.

Wie sieht die typische Personifizierung eines weisen alten Mannes aus? Schaut euch einfach Albus Dumbledore oder Gandalf an. Beide sind groß und dünn, beide haben weißes Haar mit einem langen Bart und beider Augen sind ziemlich intensiv.

Schaut euch eure eigenen Charaktere an. Was sind deren hervorstehenden Merkmale? Vielleicht ist eure Person besonders intelligent. Ihr könntet ihr eine Brille oder eine hohe Stirn verpassen. Ist sie außerdem ruhig, könnt ihr sie in zeitlose Kleidung in neutralen Farben kleiden.

Euer weiser alter Mann könnte tatsächlich eine weise alte Zigeunerin in farbenfroher Aufmachung und voller Energie sein. Oder ein buddhistisches Kind (denkt nur an den Dalai Lama).

Eine besonders warmherzige, aufgeschlossene und liebevolle Person könnte eine mollige Figur, rote Wangen und ein warmes Funkeln in den Augen haben. Eine bittere Person könnte auf der anderen Seite heruntergezogene Mundwinkel und Falten zwischen den Augen haben. Dies und eine strenge Frisur könnten außerdem auf jemand sehr strengen zutreffen.

Ihr könnt allerdings auch mit Gegensätzen spielen und körperliche Merkmale wählen, die in einen groben Kontrast zum Charakter der Person stehen. Dolores Umbridge ist ziemlich böse, doch sie trägt beständig ihr falsches Lächeln und rosafarbene Klamotten. Derlei Spielereien erschaffen ebenfalls ein sehr eindeutiges Bild einer Person und deren Charakter.

Die Verkörperung der Persönlichkeit ist ein Spiel mit Stereotypen und ihr müsst die Balance für eure eigene Geschichte finden. Versucht nicht zu tief in die Klischee-Kiste zu greifen, denn diese ist fantasielos. Schafft stattdessen eure eigenen Varianten. Der Schlüssel hierfür liegt im Verständnis der Leser. Schafft Merkmale, die zu einem Charakterzug passen. Und schreckt nicht davor zurück auf das Gegenteil einer Eigenschaft zurück zu greifen.

Ich hoffe ihr fandet diesen Artikel hilfreich. Wenn ich möchtet, könnt ihr gerne einen Kommentar hinterlassen und eure Gedanken zum Thema teilen. Ich freue mich von euch zu hören.

Dynamic Characters von Nancy Kress ist ein spannendes und empfehlenswertes Buch zum Thema Charaktere. Allerdings ist es auf englisch geschrieben.

Ähnliche Artikel

3 Wege um aus Beobachten von Menschen Inspiration zu gewinnen

Es gibt Zeiten, da scheint mein Hirn ein endloses Reservat an Ideen und Inspiration zu sein. Initiale Ideen formen sich beinahe von alleine zu Hintergründen oder wichtigen Wendepunkten zusammen. Dieses Gefühl ist berauschend und Eingebungen zu folgen sowohl spannend...

Tiefgang durch Schwächen

Menschen sind keine Roboter. Menschen sind alles mögliche, aber sicherlich nicht perfekt. Zum Glück nicht! Es sind diese sogenannten Schwächen, die eine Person realistisch und lebendig, interessant und potentiell sympathisch machen. Doch was sind Schwächen? Kurz...

Die Macht des Antagonisten

Ich liebe einen guten Antagonisten. Geht es euch nicht auch so? Euer Protagonist braucht ordentliche Gegenwehr, denn ohne sie habt ihr keinen Konflikt, keine Spannung und auch keine Entwicklung. Eine gute Geschichte lebt von Konflikt und Spannung, ohne diese ist sie...

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.