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Tatsächlich genieße ich das Schreiben ohne Plan und Kontext sehr. Ich habe bereits ein vollständiges NaNoWriMo geschafft, ohne eine Minute zu plotten und ohne klaren Geschichtsverlauf. Während dieser Ansatz ziemlich angenehm ist, solange man den nächsten Schritt vor Augen hat, so ist es doch ziemlich einfach, verloren zu gehen.

Viele Autoren tun sich schwer mit der Planung einer Geschichte und ich verstehe euch. Mir geht es recht ähnlich… doch habe ich lernen müssen, dass zumindest ein Minimum empfehlenswert ist. Auch wenn ihr euch für einen Pantser haltet zahlt sich ein bisschen Vorbereitung vielfach aus.

Nachteile von fehlender Planung

Ich weiß nicht, wie es euch ergeht, doch ich hatte ohne Plot mit einigen Problemen zu kämpfen.

Dieser Ansatz hat mein eigentliches Schreiben behindert. Wenn ihr nicht wisst, was als nächstes passieren soll, dann bleibt euch nichts anderes übrig, als inne zu halten und darüber nachzudenken. Was nichts anderes heißt, als dass ihr euren Arbeitsmodus wechseln müsst und ich denke wir wissen mittlerweile alle, dass uns dadurch sowohl Zeit als auch mentale Energie verloren geht.

Außerdem musste ich feststellen, dass ich eine Menge unnötiges Füllmaterial schreibe, wenn ich nicht weiß, wie es weitergehen soll. Wenn ihr eurer Manuskript mit unnötigen Informationen füllt, dann kostet das viel kostbare Überarbeitungszeit oder resultiert in einem unbefriedigenden Leseerlebnis.

Ganz abgesehen davon ist die Überarbeitungszeit generell viel größer. Ich bin zwar dafür zuerst zu schreiben und dann erst zu überarbeiten, doch resultiert das Schreiben ohne Plan oft in vielen überflüssigen Szenen und unwichtigen Informationen.

Eine Sackgasse ist mitunter das Schlimmste, was passieren kann. Und es passiert. Häufig. Plötzlich findet ihr euch in einer Situation, für die ihr keine passende Lösung finden könnt und müsst große Teile neu schreiben.

Die Lösung

Ein Ausweg aus diesem Dilemma liegt in einem groben Handlungsplan. Ihr müsst nicht jeden Schritt der Schneeflockenmethode durchackern, um euer Schreiberlebnis entspannter und angenehmer zu gestalten.

Habt ihr die folgenden Aspekte ausgetüftelt seid ihr gut vorbereitet:

1. Kennt eure Charaktere

Nehmt euch die Zeit Protagonist und Antagonist kennen zu lernen. Ihr solltet wissen, wie sie ticken und was sie möchten. Was sind ihre tiefsten Bedürfnisse, was für Werte und Überzeugungen hegen sie und mit welchen Schwächen haben sie zu kämpfen.

Ich rede nicht über ein ausführliches Charakterdesign, auch wenn ihr dies natürlich machen könnt, ich rede von den wesentlichen Charakterzügen, die Auswirkung auf die Geschichte haben.

Ihre größte Sehnsucht ist ihre Motivation zu handeln und kann alle möglichen Formen annehmen. Vielleicht möchten sie ihre Mutter retten oder sie lieben das Lösen von Geheimnissen.

Ihre Werte und Überzeugungen haben direkten Einfluss auf ihre Art zu handeln. Ist ihnen Ehrlichkeit und Nächstenliebe wichtig? Oder biegen sie bestehende Regeln, weil diese für sie wertlos sind? Diese Werte dienen euch als Orientierung für ihr Verhalten.

Ihre Schwächen sind ebenfalls von Interesse, denn sie stellen deren Wachstumspotential dar. Und wachsen müssen sie, wenn sie die Hindernisse in ihren Wegen überwinden wollen.

Außerdem sind all diese Eigenschaften großartiges Potential für Konflikte und diese machen eine Geschichte schließlich aus.

2. Der Schauplatz

Das Essentielle des Schauplatzes liegt in den damit einhergehenden Regeln und Einschränkungen.

Integriert ihr zum Beispiel Magie in eure Welt, dann müsst ihr wissen, wie diese funktioniert und welchen Regeln sie folgt. Wird diese Magie willkürlich verwendet, wirkt sich dies negativ auf den Gesamteindruck eurer Geschichte aus.

Wenn ihr eine Liebesgeschichte über ein schwules Pärchen schreibt, dann spielt die Umgebung eine Rolle. Platziert ihr sie nämlich in einem konservativen, engstirnigen Dorf, dann werden sie ihre Gefühle nicht öffentlich ausleben können. Und ihr habt viel Konfliktpotenzial.

Daher lohnt es sich, den Einfluss des Schauplatzes zu analysieren. Behaltet diese Rahmenbedingungen beim Schreiben im Hinterkopf. Ihr werdet mit einer glaubwürdigeren und authentischen Geschichte belohnt.

3. Wendepunkte

Es ist am einfachsten, die wichtigen Höhe- und Wendepunkte zu Beginn auszuarbeiten. Überlegt euch, wie eure Geschichte beginnen und wo sie enden soll.

Wisst ihr erst einmal, von wo ihr startet und wohin ihr die Geschichte bringen möchtet, könnt ihr wichtige Zwischenstops festlegen. Wie gelangt der Protagonist zum Ende? Wie könnt ihr zusätzlichen Konflikt generieren? Auf welche Weise sabotiert der Antagonist das Geschehen? Welche großen Hindernisse muss der Protagonist überwinden, um ans Ziel zu gelangen? Ich rede hier von wichtigen Offenbahrungen und Wendepunkten, nicht winzigen Details.

Die groben Meilensteine verhindern ein Stolpern im Dunkeln während des eigentlichen Schreibens. Sie müssen nicht sonderlich spezifisch sein, doch ihre bloße Existenz bringt euch mehr Klarheit, denn ihr wisst in welche Richtung ihr das Boot steuern müsst.

4. Die Lücken füllen

Habt ihr eine Liste der wichtigsten Ereignisse, könnt ihr euch Gedanken über nötige Informationen machen. Hier könnt ihr so vage oder spezifisch sein, wie ihr möchtet. Vielleicht möchtet ihr diesen Schritt sogar einfach überspringen.

Ich würde euch allerdings empfehlen zumindest ein bisschen Zeit für die Details zu investieren, denn ich finde es störend den Schreibprozess zu unterbrechen, um darüber nachzugrübeln, und ich stecke auch nicht gerne in auswegslosen Situationen fest.

Ein einfacher Ansatz ist die Analyse jedes Meilensteins, um herauszufinden, welche Vorbereitung für die jeweilige Szene notwendig ist. Ist ein wichtiges Ereignis die Offenbahrung der Identität des Bösewichts, dann solltet ihr dafür sorgen, dass ihr die Aufmerksamkeit des Protagonisten (und der Leser) zuvor abgelenkt habt. Ihr könnt beispielsweise eine Szene einfügen, in der diese zu einer falschen Schlussfolgerung kommen.

Idealerweise habt ihr nach diesem Schritt eine Liste von Dingen, die vor dem entsprechenden Meilenstein passiert sein müssen. Wie ihr diese in die Geschichte integriert ist vollkommen euch überlassen. Ihr könnt es euch im Voraus überlegen oder während dem Schreiben. Ganz wie es euch beliebt 🙂

Plotten ist mit diesem Ansatz gar nicht so schlimm. Für mich zumindest. Ich hoffe es hilft euch ebenfalls. Was für ein Typ seid ihr? Plant ihr exzessiv jede Szene oder improvisiert ihr mehrheitlich?

Falls ihr an weiterführender Lektüre interessiert seid, kann ich euch Structuring Your Novel von K.M. Weiland sowie Beginnings, Middles and Ends von Nancy Kress ans Herz legen. Zwar sind beide auf englisch, doch sind sie gut verständlich. Werft einen Blick ins Buch, falls ihr unsicher seid.

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