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Menschen sind keine Roboter. Menschen sind alles mögliche, aber sicherlich nicht perfekt. Zum Glück nicht!

Es sind diese sogenannten Schwächen, die eine Person realistisch und lebendig, interessant und potentiell sympathisch machen. Doch was sind Schwächen? Kurz gesagt, es sind all die Eigenschaften eines Menschen – geistig wie körperlich – die einem Menschen „unperfekt“ und damit weniger langweilig machen.

Denkt nur an ein Model oder an das Verhalten von royalen Familien in der Öffentlichkeit. Makellose Gesichter und Körper (zumindest nach den aktuellen gesellschaftlichen Standards), tadellose Erscheinungen, vorbildliches Verhalten und einen einwandfreien Charakter. Und auch wenn dies ein Ideal zu sein scheint, nach dem alle streben, so macht es eine Geschichte tatsächlich eher fade und langweilig.

Charakterschwächen

Jeder Mensch hat gewisse Charakterzüge, von denen manche wundervolle Stärken sind und andere eher als Schwäche betrachtet werden. Denkt hierbei an menschliches Verhalten, für das euch eure Mütter wohl kritisiert hätten. Die Bandbreite ist groß und die Anzahl Möglichkeiten schier endlos also tobt euch ordentlich aus.

Euer Charakter kann beispielsweise ein zwanghafter Lügner sein oder immer zu spät kommen. Vielleicht ist sie besonders übellaunig, wenn sie müde oder hungrig ist (welche Frau ist das nicht? … mich eingeschlossen 😉 ). Oder er ist ein Plappermaul ganz wie Hagrid in Harry Potter? Oder besitzt ein tiefes Bedürfnis andere beeindrucken zu müssen?

Was auch immer ihr euch einfallen lasst, bitte geht sicher, dass es zum Charakter eurer Person passt. Eine introvertierte Person kann durchaus ein Plappermaul sein, allerdings wohl eher im Privaten als in größeren Gruppen oder besonders lautstark. Jemand Schüchternes wird wohl ebenfalls nicht vor großen Gruppen prahlen, sondern viel subtiler und in privater Konversation.

Was ihr ebenfalls im Hinterkopf behalten könnt ist, dass einige Stärken zu Schwächen werden können, wenn sie ins Extreme ausarten. Selbstbewusstsein kann zu Vermessenheit und Selbstüberschätzung führen. Jemand, der sehr aktionsorientiert ist, kann ebenfalls ungeduldig und überstürzt handeln. Kennt ihr die Stärken eurer Figuren, dann könnt ihr diese bei Bedarf durchaus in eine Schwäche umwandeln.

Hier sind einige Schwächen, um eure grauen Zellen anzuregen:

  • angeberisch
  • arrogant
  • selbstüberschätzend
  • verlogen
  • hinterhältig
  • aggressiv
  • unnahbar
  • rechthaberisch
  • feige
  • grausam
  • zynisch
  • anhänglich
  • gierig
  • intolerant
  • eifersüchtig
  • faul
  • impulsiv
  • unfreundlich
  • ungeduldig
  • launisch
  • reizbar
  • unverantwortlich
  • nervös
  • nachtragend
  • sarkastisch
  • albern
  • egoistisch
  • unordentlich
  • taktlos
  • hitzig
  • besitzergreifend
  • pessimistisch

Diese Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich würde diese Schwächen außerdem in einen passenden Kontext bringen. Eine Person muss nicht zwingend in allen Lebenslagen ungeduldig sein. Vielleicht ist sie es nur, wenn sie etwas neues lernen muss oder sie ist nur launisch und reizbar, wenn sie nicht genug Schlaf hatte. Vielleicht ist die Person unordentlich, wenn sie besonders gestresst ist oder nur dann grausam, wenn sie verletzt wird. Oder eingebildet, wenn sie besonders viel zu einem Thema weiß. Schwächen in einen bestimmten Kontext zu bringen haucht euren Charakteren gleich viel mehr Leben ein.

Das Beste an diesen Schwächen? Mit ihnen könnt ihr für allerhand Konflikte in eurer Geschichte sorgen! 🙂

Optische Schwächen

Nur um das gleich nochmal anzusprechen: Als Schwächen werden die Eigenschaften betrachtet, die einen Menschen von einem allgemein akzeptierten  Bild von Perfektion abweichen lassen. Ihr könnt beim Aussehen zwischen körperlichen Merkmalen und dem Stil einer Person unterscheiden.

Körperliche Eigenschaften kann alles von dünnen Lippen, hervorstehenden Augen, großen oder krummen Nasen, einem Überbiss oder eine zu große oder zu kleine, zu dicke oder zu dünne Erscheinung sein. Denkt einfach mal an all die negativen Labels die ihr euch selbst und anderen verpasst. Menschen lieben es über andere zu urteilen, so traurig es auch ist.

Und es wird vor nichts und niemandem Halt gemacht! Nicht einmal Topmodels bleiben vor Kritik verschont.

Euer Ziel für eure Charaktere ist es jedenfalls diese mit einigen Eigenschaften auszustatten, die sie einzigartig und erkennbar machen.

Der Stil einer Person kann hier ebenfalls betrachtet werden. Stammt eine Person aus ärmlichen Verhältnissen, dann könnt ihr sie in abgetragene Klamotten kleiden. Wenn sie sich nicht um ihr Erscheinungsbild kümmert, dann kann die Kleidung schäbig und formlos sein. Oder schmutzig. Dadurch schafft ihr ein optisches Bild der Zustände und Hintergründe einer Person.

Hier ist eine Liste zu eurer Inspiration:

  • aufgedunsenes Gesicht
  • unordentlicher Bart
  • große / krumme / lange Nase
  • hervorstehende / schmale Augen
  • dicke, buschige Augenbrauen
  • zahlreiche Falten
  • fahles oder pigmentiertes Gesicht
  • Über- oder Unterbiss
  • abstehende Ohren
  • große und krumme Zähne
  • massige Figur
  • sehr groß / sehr klein
  • sehr dick / sehr dünn
  • Narben
  • Missbildungen (z.B. fehlende oder zusätzliche Finger)
  • widerspenstiges oder formloses / dünnes Haar
  • ein Hinken
  • krummer Rücken
  • ein nervöser Tick (z.B. ein zuckendes Augenlid oder Kneten der Hände)
  • unordentliche Erscheinung
  • zu große / zu kleine Kleidung
  • Kleidung mit Löchern oder Flicken
  • schmutzige Kleidung

Nur um dies klar zu stellen… keine dieser Eigenschaften sollte als mangelhaft oder hässlich betrachtet werden! Auch wenn Menschen intuitiv ein Bild der Perfektion ersehnen, sind es doch all die kleinen Unvollkommenheiten, die einen Menschen menschlich und interessant machen. Insbesondere Symmetrie scheint eines dieser unglaublich attraktiven Eigenschaften zu sein, doch als ich Menschen mit sehr symmetrischen Gesichtern kennen gelernt habe… war ich tatsächlich ziemlich schnell gelangweilt, denn auch wenn solche Gesichter hübsch anzusehen sind, so fehlt ihnen doch das gewisse Etwas.

Das Ziel ist Charaktere zu erschaffen, die identifizierbar sind und die nicht mit  generischen Beschreibungen wie blonde Haare und blaue Augen vorgestellt werden müssen. Ist eure Figur lediglich hübsch und makellos ist es nicht nur langweilig, eure Leser haben außerdem kein richtiges Bild von ihr vor Augen.

Erinnert ihr euch an Hermine von Harry Potter? Sie wurde als Mädchen mit buschigen Haaren und zu großen Schneidezähnen vorgestellt. Harry selbst hat unzähmbares Haar, auffällig grüne Augen und eine Narbe auf der Stirn. Dumbledores Aussehen wird von einer krummen Nase, seiner Halbmondbrille und seines unglaublich langen, weißen Bartes geprägt. Snape widerum glänzt wortwörtlich mit seinem fettigen Haar und seiner fledermausähnlichen Erscheinung und hinterlässt ebenfalls einen sehr einzigartigen Eindruck.

Dies ist euer Ziel. Einzigartige und einprägsame Identitäten zu erschaffen, die in den Köpfen eurer Leser zum Leben erwecken. Idealerweise erkennen eure Leser einzelne Personen alleine an deren Merkmale! Auch wenn dies eine große Herausforderung ist, so macht das Ganze doch ziemlich Spaß. Genießt den Erschaffungsprozess und lasst uns wissen, wie ihr voran kommt.

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