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Leser sind wie Fische. Intelligente Fische. Fische, die wissen, dass wir Autoren darauf aus sind sie zu fangen, an Land zu ziehen und für den Rest ihrer seetüchtigen Leben gefangen zu halten. Wie alle anständigen Fische, sind Leser nicht einfach einzufangen. Sie sind nicht darauf aus sich der Verlockung deiner Geschichte zu ergeben, wenn du ihnen nicht einen unwiderstehlichen Köder präsentierst. – K.M. Weiland

Habt ihr das Lockmittel von K.M. Weilands ersten Sätzen ihres Buchs Structuring Your Novel gespürt? Ich liebe es, wie sie ihr Kapitel über Köder selbst mit einem gut geschrieben eröffnet.

Ein Köder ist nicht mehr (und nicht weniger) als die Verkaufsmasche eurer gesamten Geschichte. Wenn ihr die vermasselt, dann verliert ihr euer Publikum. Doch wenn ihr es richtig anstellt, lockt ihr eure Leser in die Geschichte, die ihr zu erzählen habt.

Das Ziel des Köders

Laut Weiland ist das wichtigste Ziel, euren Leser dazu zu bringen, eine Frage zu stellen.

Was passiert denn nun mit dem Jungen?

Wie kommt sie nur aus diesem Schlamassel wieder hinaus?

Diese Fragen müssen spezifisch sein. Eine allgemeine Frage wie „Was zum Geier geht ihr eigentlich vor?“ funktioniert nicht.

Neben dem Stellen einer Frage auf Seiten des Lesers, möchte ich hinzufügen, dass ihr außerdem eine Verbindung zwischen dem Leser und eurem Protagonisten aufbauen solltet. Wenn sich der Leser nicht um das Schicksal eures Protagonisten kümmert, dann ist der Rest der Geschichte irrelevant.

Außerdem hilft es, wenn ihr dem Leser Orientierung und ein Gefühl von Vertrautheit gebt, damit dieser in die Geschichte rutscht, ohne es recht zu merken.

Kurz gesagt: Entzünde die Neugier der Leser, sorge für eine Verbindung zum Protagonisten und gebt ihnen Orientierung in der Welt eurer Geschichte.

Eröffnet mit Konflikt

Eine Geschichte ohne Konflikt ist keine Geschichte. Über was wollt ihr dann auch schreiben? Ausgiebige Umgebungsbeschreibungen und friedliche Konversation? Was für ein angenehmes Ziel für unsere tatsächlichen Leben erscheibt, ist in Geschichtsform eher öde und langweilig, oder? Konflikt schafft die Reibung, die eine Geschichte von A nach B bringt.

Denkt nur an all diese liebenswürdigen, friedfertigen Hobbits im Auenland. Natütlich genoss ich die Harmonie, solange sie anhielt, doch die Geschichte benötigte Konflikt, damit sie sich tatsächlich fort bewegte. Sonst wäre nie etwas passiert.

Euer Köder, also der Einstieg in eure Geschichte, bentigt bereits irgendeine Form von Konflikt. Es muss nicht zwingend der Hauptkonflikt eurer Geschichte sein (auch wenn dies natürlich eine Option ist!). Es kann etwas sein, was bereits im nächsten Kapitel aufgelöst wird, solange zu diesem Zeitpunkt bereits der nächste Konflikt aufgebaut wurde. Ihr wollt schließlich nicht das Interesse eurer Leser verlieren.

Benutzt Handlung

Ihr malt kein statisches Bild, sondern schreibt eine Geschichte. Bewegung ist eine starke Kraft, um den Leser in die Geschichte zu zuiehen, denn jede Form von Aktion wird bildhaft vor dem inneren Auge eurer Leser erscheinen.

Wenn ihr Bewegung in euren Protagonisten oder eine andere Figur bringt, dann erweckt es die Szene zum Leben. Die Handlung kann mit dem ersten Konflikt zu tun haben, muss es aber nicht. Sogar Schuhe anziehen oder Zähne putzen ist besser als keine Aktion. Bewegung macht alles ungleich realisitischer und lebendiger.

Stellt den Protagonisten vor

Leser bauen emotionale Verbindungen zu Menschen auf. Leser, die eine emotionale Verbindung mit euren Charakteren aufgebaut haben, kümmern sich um deren Schicksal. Darum ist es so wichtig, euren Protagonisten so früh wie möglich auftauchen zu lassen. Es muss nichts ausschweifendes sein (bitte überwältigt die Leser nicht mit zu viel Hintergrundinformationen), doch ein kleiner Einblick auf oder in den Protagonisten wird euren Köder effektiver machen.

Baut die Bühne auf

So wie ihr euren Protagonisten so früh wie möglich ins Bild nehmen wollt, so wichtig ist es, eurem Publikum einen Kontext zu geben, wo die Szene spielt. Wenn ihr es schafft ein geistiges Bild im Kopf eurer Leser zu erzeugen, dann stärkt ihr deren Verbindung zu eurer Geschichte. Vorstellungskraft ist eine mächtige Waffe und wenn ihr für die entsprechende Orientierung innerhalb der Szene sorgt, dann merken eure Leser gar nicht, wie tief sie schon in der Geschichte stecken.

Setzt die Stimmung

Die Stimmung und Art eurer ersten Szene setzt die Stimmung für die gesamte Geschichte. Oder zumindest die Erwartungshaltung eurer Leser. Die Eröffnungsszene repräsentiert den generellen Stil und die Stimmung der folgenden Geschichte. Seid euch dessen bewusst und bringt dies in Harmonie miteinander.

Wenn ihr mit einem spannenden und hektischen Köder beginnt und anschließend Kapitel voll ruhiger Introspektive folgen, dann kann es passieren, dass ihr eure Leser langweilt und sie ultimativ verliert.

Zur Wiederholung:

Ihr möchtet, dass der Leser zur Thematik passende Fragen stellt, also wissen möchte, wie es weiter geht. Außerdem zielt ihr auf eine emotionale Verbindung zwischen Leser und Protagonisten ab und versucht, ein mentales Bild des Bühnenbilds zu erzeugen.

Haltet euch auf jeden Fall mit Infodumping zurück. Nutzt nur die Informationen, die absolut notwendig für die Szene sind. Keine exzessiven Hintergrundinformationen, keine detaillierten Beschreibungen der umstehenden Bäume. Umgebungsbeschreibungen sollten auf ein oder zwei Sätzen beschränkt sein.

Zuletzt noch ein Wort der Vorsicht: Überwältigt eure Leser nicht. Stellt nicht viele Charaktere auf einmal vor, schafft nicht eine Welt, in der die Leser absolut keine Orientierung haben und sich nichts vorstellen können. Gebt ihnen ein Gefühl von Vertrautheit und eine Art von Verstehen der Szene. Denkt daran, dass eure Leser gerade Erstkontakt mit eurer Geschichte haben.

Wenn ihr diese Punkte beachtet, dann seid ihr auf gutem Weg. …auch wenn wir alle wissen, dass die Umsetzung ziemlich schwer sein kann. Anfänge sind das immer. Meldet euch, wenn ihr Probleme habt. Oder Fragen. Wir stehen zur Verfügung 🙂

Das Buch Structuring Your Novel von K.M. Weiland kann ich übrigens nur empfehlen!

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