Seite auswählen

Ich liebe einen guten Antagonisten. Geht es euch nicht auch so? Euer Protagonist braucht ordentliche Gegenwehr, denn ohne sie habt ihr keinen Konflikt, keine Spannung und auch keine Entwicklung. Eine gute Geschichte lebt von Konflikt und Spannung, ohne diese ist sie seicht, langweilig und irgendwie unnötig.

Außerdem ist euer Antagonist die Chance für euren Hauptcharakter zu wachsen! Und wachsen muss er, sonst wird er all die Hindernisse auf seinem Weg nicht überwinden können.

Der eine mächtige Antagonist

Euer Gegenspieler sollte idealerweise überwältigend machtvoll sein, so machtvoll, dass euer Protagonist keine Chance gegen ihn hat. Zumindest nicht für den Großteil eurer Geschichte. Stellt euch vor, Harry Potter und Du-weißt-schon-wer oder Frodo und Sauron wären gleich mächtig… es funktioniert nicht, oder? Wenn Protagonist und Antagonist gleich stark sind, geht euch sämtliche Spannung und Reibung verloren und damit leider auch das ganze Potential eurer Geschichte.

Stattdessen aber bekommt ihr einen übermächtigen Lord Voldemort, dessen Namen niemand auszusprechen wagt und einen jungen Harry, an dem nichts sonderlich speziell ist, abgesehen vom Überleben des Todesfluchs. Wie um alles in der Welt kann er solch einen mächtigen Gegener besiegen? Bäm! Und schon habt ihr reichtlich Konflikt, viel Spannung und zahlreiches Blättern, um eben dies herauszufinden.

Mit Sauron ist es genau dasselbe. Ein böser und unglaublich mächtiger Feind, der selber stärker als die stärksten der Elben ist. Wie soll Frodo, ein friedliebender und harmloser Hobbit, eine Chance gegen ihn haben? Selbst mit Gandalf und allen anderen Gefährten auf seiner Seite stehen seine Chancen nicht gut. Was die Geschichte lesenswert macht. Wir Leser möchten herausfinden, ob und wie sie einen Weg aus dieser Misere finden.

Seid euch darüber bewusst, dass euer Antagonist nicht zwingend böse oder hinterhältig sein muss. Euer Protagonist verfolgt gewisse Ziele und Interessen und der Job eures Antagonist enist einzig und alleine, diese zu ver- und behindern. Typisches Fantasy bedient sich hierbei oftmals dem klassischen Kampf zwischen Gut und Böse, doch je nach Geschichte muss dies nicht so sein.

Falls ihr Stolz und Vorurteil gelesen habt, dann wisst ihr, dass Mr. Darcy, die künftige Liebe der Protagonistin Elizabeth Bennet, zeitweilen die Rolle des Antagonisten übernimmt. Angefeuert von Missverständnissen wird er zur entgegenwirkenden Kraft, bis sie ihre Vorurteile bereinigen können. Während dies im ersten Moment nach keinem sonderlich mächtigen Gegener klingt, wundert man sich doch während des Lesens, wie sie diese Feindseligkeiten überwinden sollen, damit sich romantische Gefühle entwickeln können. Daher ist dies durchaus ein mächtiger Widerstand. Zumindest finde ich das 🙂

Kleinere (Szenen-) Antagonisten

Die meisten Geschichten haben mehr als einen Antagonisten. Klar, ihr habt (oftmals) einen großen Gegenspieler, der die komplette Geschichte überdauert, aber ihr habt außerdem viele kleine, die während einzelner Szenen für Konflikt sorgen.

Harry zum Beispiel sieht sich Snape, Filch und McGonagall gegenüber, die ihm manches Mal im Weg stehen, wenn er durch verbotene Korridore streift oder sich bei Nacht aus dem Schloss stiehlt. Daneben habt ihr beispielsweise auch Hagrid, der für Harry relevante Informationen nicht preisgeben möchte oder einen schwarzen, Angst einflößenden Hund, der Harry zu folgen scheint.

Frodo muss sich mit diesen fiesen schwarzen Reitern – den Nazgul – sowie Horden von Orks herumärgern. Doch sogar Streicher wird beim ersten Kennenlernen zuerst als Antagonist dargestellt und natürlich stellt auch der Ring selbst eine Art antagonistische Kraft dar, welche Frodo im Weg steht und ihm das Leben schwer macht.

Personifizierte Motive, Überzeugungen und Meinungen

Damit euer Antagonist glaubwürdig ist muss er eine Motivation oder eine Überzeugung verkörpern.

Klassische Feinde finden ihre Motivation typischerweise in ihren Verlangen – dem Begierde nach Macht, dem Wunsch nach Rache oder dem Bedürfnis nach Erlösung. Sowohl Du-weißt-schon-wer als auch Sauren wurden von dem Verlangen nach Macht über andere angetrieben. Dieses hat ihr gesamtes Denken und Handeln diktiert.

Professor McGonagall widerum handelt im Interesse der Schulregeln und Snape reagiert auf seinen alten Hass auf Harrys Vater. Rita Kimmkorn verkörpert unser korruptes und verzerrtes Nachrichtensystem, während das Ministerium für all das Falsche unserer Regierungen steht.

Ein weiteres großartiges Beispiel ist die Marvelverfilmung Civil War. Habt ihr den Film gesehen? In diesem stehen sich die bis dahin vereinten Helden plötzlich auf gegenüber liegenden Seiten. Beide Seiten haben sehr legitime Gründe, doch können sie keinen gemeinsamen Nenner finden. Ich finde dies ziemlich heftig, weil man die Motivationen und Beweggründe beider Parteien versteht und selbst zu keiner geeigneten Lösung findet.

Die Hauptpunkte im Überblick

Macht eure Antagonisten mächtig und einschüchternd.

Scheut euch nicht vor Konflikt und wenn ihr eure Antagonistin erschafft, gebt ihr Macht, gebt ihr Beweggründe und Überzeugungen, macht sie zu einem Spiegel eures Protagonisten. Schafft so viel Spannung und Reibung wie ihr nur könnt.

Benutzt Charaktere als Sinnbilder für Überzeugungen, Meinungen oder ganze Systeme. Leser bauen Beziehungen zu Charakteren auf, nicht zu Konzepten.

Und behaltet im Hinterkopf, dass euer Antagonist das Wachstumspotential eures Helden ist!

Habt ihr noch etwas hinzuzufügen? Oder Gedanken zum Thema? Lasst es uns wissen 🙂

Ähnliche Artikel

3 Wege um aus Beobachten von Menschen Inspiration zu gewinnen

Es gibt Zeiten, da scheint mein Hirn ein endloses Reservat an Ideen und Inspiration zu sein. Initiale Ideen formen sich beinahe von alleine zu Hintergründen oder wichtigen Wendepunkten zusammen. Dieses Gefühl ist berauschend und Eingebungen zu folgen sowohl spannend...

Anleitung zur Spiegelung von Charakterzügen im Aussehen

Einen Charakter vorzustellen und diesen auf Papier zum Leben zu erwecken ist eine wichtige und herausfordernde Aufgabe. Das simple Aufzählen von Charakteristiken ist einfallslos, unkreativ und einfach nicht akzeptabel. Auch wenn eure Person eine vielschichtige und...

Tiefgang durch Schwächen

Menschen sind keine Roboter. Menschen sind alles mögliche, aber sicherlich nicht perfekt. Zum Glück nicht! Es sind diese sogenannten Schwächen, die eine Person realistisch und lebendig, interessant und potentiell sympathisch machen. Doch was sind Schwächen? Kurz...

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.