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Ich finde es spannend verschiedene Methoden auszuprobieren, um Leben in einen Charakter zu hauchen. Eine dieser Methoden ist eine fiktive Person auf einem real existierenden Menschen aufzubauen, um eine realistische Persönlichkeit zu schaffen. Allerdings müsst ihr etwas vorsichtig sein, denn ihr solltet die Privatsphäre des Menschen um jeden Preis schützen!

Anwendungsbereich

Für Nebencharaktere finde ich diesen Ansatz super. Ihr benötigt wahrscheinlich eine ordentliche Anzahl Nebencharaktere und es ist sehr zeitintensiv jedesmal einen „kompletten“ Charakter zu erschaffen. Einen existierenden Menschen als Basis zu verwenden erleichtert diesen Prozess enorm.

Auf der anderen Seite musste ich feststellen, dass ich diese Methode nicht für Hauptcharaktere verwenden kann. Es fühlt sich für mich zu aufdringlich an, intime Emotionen zu beschreiben oder Entscheidungen aus Sicht der Person zu treffen, selbst wenn ich mir alles nur ausgedacht habe.

Ich denke es ist ziemlich offensichtlich, wieso dieser Ansatz so nützlich ist. Von Menschen in eurem Umfeld habt ihr bereits ein inneres Bild vor Augen. Ihr wisst, wie sie aussehen, wie sie sich verhalten und wahrscheinlich auch, was sie mögen oder auch nicht und (zumindest teilweise) ihre Stärken und Schwächen. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ihr wirklich nur ein Bild von dieser Person habt. Es ist unmöglich, eine andere Person vollständig zu erfassen und zu kennen und das ist völlig in Ordnung so und steht dieser Übung nicht im Weg.
Es geht nur um eine kleine Feinheit, wenn ihr euch fragt, wie diese Person handeln würde. Denn es ist nicht „Was würde diese Person in dieser Situation tun?“ sondern „Wie denke ich, dass diese Person in dieser Situation handeln würde?“. Für die Charaktergrundlage ist das völlig ausreichend, denn auf diese Weise wird euer Charakter automatisch ein Eigenleben entwickeln. Die Basis lässt jedoch die Emotionen, Gedanken und Handlungen realistischer und schlüssiger sein.

Es gibt verschiedene Ansatzpunkte dieser Methode.

Das Aussehen

Der offensichtlichste Ansatz ist das Aussehen einer Person. Dies kann die Haarfarbe und Frisur, die Größe der Person oder aber auch einzelne Merkmale, wie buschige Augenbrauen, sein. Oder ihr bedient euch am Gesamteindruck als Ganzes, was besonders hilfreich ist, wenn ihr ein charakteristisches Bild und dessen Wirkung in eure Geschichte packen möchtet. Ein Beispiel ist Rubeus Hagrid in JK Rowlings Harry Potter. Laut Rowling kam die Inspiration für Hagrid, als sie einen einschüchternd wirkenden Biker getroffen hatte, der ihr von seinen Petunien erzählte. Also erschuf sie einen einschüchternden Riesen, der jedoch sanft und gutmütig ist.

Stil

Viel wesentlicher als das Aussehen einer Person, ist deren Stil. Natürlich ist dieser stark mit dem Aussehen verbunden, doch hat es eine eigene Erwähnung verdient. Der Stil einer Person ist eine Art Repräsentation dessen Identität. Vielleicht kennt ihr einen entspannten Kerl, der seine Dreadlocks und seinen alternativen Kleidungsstil liebt. Oder das Mädchen, welches immer die neuste Mode trägt. Der Geschäftsmann, welcher sich nur in schwarze T-Shirts kleidet oder die Lady in zahlreichen Seidenkleidern mit passenden Hüten. Vielleicht ist euch bei diesen Beschreibungen bereits ein Bild im Kopf entstanden, vielleicht sogar eine Meinung. Das ist die Stärke von Stil, weshalb ihr sie besser sehr gezielt einsetzt.

Charaktereigenschaften

Zuletzt beschäftigen wir uns mit Charaktereigenschaften und Merkmalen. Hier ist eine existierende Person besonders hilfreich, denn sie hilft enorm, eine schlüssige Persönlichkeit zu erschaffen. Wenn ihr wisst, wie eine Person tickt, dann könnt ihr dies auf eure Charaktere übertragen. Lasst ihr euch beispielsweise von eine, hitzigen Menschen inspirieren, der leicht auf die Palme gerät, dann wird euer darauf basierender Charakter wohl nicht sonderlich geduldig sein, wenn Dinge nicht nach seinen Wünschen gehen. Oder nehmt ein schüchternes und ruhiges Mädchen als Vorbild, welches sich nicht traut in der Klasse etwas zu sagen, dann wird eure erschaffene Person genau so reagieren, auch in ähnlichen Situationen.

Dies ist der Punkt, an dem ihr euch fragen könnt: „Wie denke ich würde mein Charaktervorbild in dieser Situation reagieren?“

Mischen und Zusammenfügen

Natürlich könnt ihr Aussehen, Stil und Character zusammen verwenden. So wie es Rowling mit Hagrid gemacht hat. Ein einschüchternder Riese mit einem liebevollen Herzen, der keiner Fliege etwas zuleide tun würde. Sie wählte jedoch Kleidung, die der Motorradfahrer nicht getragen hätte, doch welche zu dem Charakteren, den sie erschuf, passte. Hagrids alter Ledermantel mit seinen endlosen Taschen sagt uns, dass Hagrid wohl nicht sonderlich viel wert auf seine Erscheinung legt. Da er alles mögliche darin verstaut und teilweise kaum wieder findet, erscheint er außerdem eher unordentlich. Alles in allem erschuf sie einen sehr einzigartigen Charakter, der dem Original nicht mehr sonderlich ähnelt, obwohl sie Teile des Aussehens und des Gemüts integrierte.

Schutz der Privatsphäre

Zuletzt möchte ich noch eine sehr wichtige Sache ansprechen: die Privatsphäre eurer Inspiration.
Unter keinen Umständen wollt ihr diese verletzen. Das heißt, dass wir selbstverständlich nicht ihre Namen verwenden und dass wir außerdem keine intimen und privaten Details über sie preis geben. Gedanken zu spezifischen Ereignissen oder Emotionen, die sie im Vertrauen mit euch geteilt haben, sind ein absolutes No-Go! Tut es nicht. Missbraucht nicht das Vertrauen, das jemand in euch gesetzt hat und seht, dass ihr niemanden verratet oder unwohl fühlen lasst.

Das Vorbild sollte in der Lage sein, eure Geschichte zu lesen und nicht das Gefühl zu haben, dass sie tatsächlich über sich selbst liest. Im Speziellen, wenn es um intime Informationen geht.

Es ist in Ordnung, wenn die Person einen gewissen Wiedererkennungswert hat, wie „oh, sie sieht mir ziemlich ähnlich“ oder „ihr Kleidungsstil ist wie meiner“. Es darf auch ein „Ich fühle mich in solchen Situationen genau so“ sein. Doch nicht mehr.

Es sei denn, ihr habt dies mit dieser Person abgesprochen. Dann ist es etwas anderes 🙂

Ihr habt jetzt die Informationen, die ihr hierfür braucht. Legt los! Ich hoffe ihr habt Spaß beim Ausprobieren. Lasst uns wissen, wenn ihr diesen Artikel hilfreich gefunden habt.

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