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Kennt ihr den Myers-Briggs Type Indicator? Carl Gustav Jung, ein Psychiater und Psychoanalytiker, hat verschiedene Charaktertypen definiert, um das Innenleben der Menschen zu kategorisieren. Laut ihm hat jeder Mensch natürliche Tendenzen, welche unsere Handlungen lenken. Manche Menschen sind beispielsweise introvertiert, während andere extrovertiert sind. Manche lassen sich von ihren Gefühlen leiten, während andere eher analysieren. Oder handeln eher abwartend oder spontan und intuitiv.

Der Myers-Briggs Type Indicator, kurz MBTI, ist ein Fragebogen, welcher von Katharine Cook Briggs und ihrer Tochter Isabel Briggs Myers entwickelt wurde, um festzustellen, welchem Typen ein Mensch entspricht. Über die Jahre haben sich viele verschiedene dieser Fragen entwickelt und manche können kostenlos verwendet werden. Hier ist einer, falls ihr es ausprobieren wollt und englisch nicht scheut.

Die verschiedenen Eigenschaften

Es gibt insgesamt 16 verschiedene Typen, welche sich aus den möglichen Kombinationen der 4 verschiedenen Eigenschaften ergeben.

Motivation/ AntriebIntraversion vs. Extraversion

AufmerksamkeitIntuition vs. Sensorik

EntscheidungDenken vs. Fühlen

LebensstilWahrnehmen vs. Beurteilen

Der Grund

Authentizität ist eines der wichtigsten Faktoren bei der Erschaffung eines neuen Charakters. Wenn nicht sogar der wichtigste überhaupt. Die MBTI Fragen sind nützlich, um eine authentische Person zu erschaffen, welche sich widerspruchsfrei verhält. Sie bringen euch dazu, euch zu überlegen, wie sich euer Charakter in verschiedenen Situationen verhält. Dies ist enorm hilfreich, um die Person kennen zu lernen und ich rate euch, die Antworten zu der jeweiligen Frage zu speichern (ein Screenshot bietet sich an). Auf diese Information könnt ihr dann immer zurück greifen.

Wenn ihr wisst, dass die Person sehr introviert ist und sich zwischen vielen Leuten unwohl fühlt, dann wird er nicht einfach in die Mitte des Raumes stolzieren, jedermanns Aufmerksamkeit auf sich ziehen und ein Gedicht rezitieren. Das wäre ziemlich fehl am Platz, oder nicht? Oder stellt euch eine Frau vor, welche sich unüberlegt in verschiedene Situationen wirft und die eigene Flexibilität wertschätzt. Sie wird sich nicht einfach hinsetzen, einen detaillierten Plan erarbeiten und diesen mit größter Sorgfalt Schritt für Schritt ausführen. Das passt einfach nicht.

Der Ansatz

Es gibt verschiedene Möglichkeiten den MBTI zu nutzen. Falls ihr bereits ein paar Charaktereigenschaften definiert habt und die Person gut kennt, dann könnt ihr den Fragebogen relativ einfach ausfüllen. Wenn ihr eine introvertierte Person habt, dann wisst ihr, dass er oder sie nicht gerne Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird.

Falls ihr jedoch noch keine Vorstellung für den neuen Charakter habt, dann könnt ihr euch nun überlegen, welche Art Mensch ihr haben möchtet. Jemanden voller Energie, der Mittelpunkt der Party? Braucht ihr jemanden, der sehr strategisch vorgeht und immer einen Notfallplan im Ärmel hat? Überlegt euch, was ihr für eure Geschichte braucht, bevor ihr den Fragebogen beantwortet.

Manchmal können die Fragen dennoch recht schwierig sein. Sie sind recht vage und lassen Raum zur Interpretation. Ich versuche mir immer spezifische Situationen und die passende Reaktion meines Charakters vorzustellen. Zum Beispiel gibt es die Aussage:

You rarely worry about how your actions affect other people. (Du machst dir selten Gedanken darüber, wie sich deine Handlungen auf andere Leute auswirken.)

So wie sie ist, kann ich mit der Aussage nichts anfangen, also überlege ich mir ein Szenario dazu. Mein Protagonist möchte eigentlich gerne bei seiner Großmutter leben. Würde er sich davon stehlen, ohne seinen Eltern Bescheid zu sagen? Und ohne sich Gedanken um die Konsequenzen zu machen? Nein, er würde seinen Eltern keine Sorgen bereiten wollen. Er wüsste, dass seine Mutter krank vor Sorge wäre, dass ihm etwas passiert sei. Und er wüsste, dass sein Vater verzweifelt nach ihm suchen würde. Das könnte er nicht ertragen.

Nun verändere ich aber die Situation und stelle mir vor, dass er seine Eltern verlassen müsste, um einer Person in Nöten zu helfen, ohne jemandem davon erzählen zu dürfen. Er würde sich noch immer Sorgen machen und er würde wohl zumindest eine Nachricht hinterlassen, dass sie sich nicht sorgen sollen. Doch er würde gehen, wenn er wüsste, dass das Wohl eines anderen Menschen von ihm abhinge.

In beiden Situationen hat sich mein Protagonist also Gedanken um die Auswirkungen seiner Handlungen gemacht, demnach ist die initiale Aussage falsch. Da es sich bei meiner Person jedoch um einen Jungen handelt, welcher noch eine gewisse kindliche Sorglosigkeit hat, widerspreche ich der Aussage nicht vollkommen.

Die Beantwortung der Fragen wird euch Klarheit über die Motivationen und Handlungen eurer Person geben, doch die Analyse des Ergebnisses ist ebenfalls wertvoll. Die meisten Seiten bieten eine detaillierte Analyse der verschiedenen Typen an, welche euch wertvolle Einblicke und Inspirationen geben können.

Was mich zum zweiten Ansatz führt: Den Persönlichkeitstypen selbst bestimmen! Ihr könnt die Fragen auch komplett überspringen und die Eigenschaften so festlegen, wie es euch passt. Ich finde es super, dass jeder Typ eine Art Avatar hat, wie den Architekten, den Kommandeur, den Debattierer, den Schlichter, den Verteidiger und den Unterhalter. Je nachdem was ihr wollt, könnt ihr so die Persönlichkeit von hinten entwickeln.

Wenn ihr eure Person zu einem Unterhalter macht, dann wisst ihr, dass sie extrovertiert, beobachtend, fühlend und wahrnehmend ist.

Alternativ könnt ihr auch die Eigenschaften setzen und so den dazu gehörenden Persönlichkeitstyp finden. Wenn ihr beispielsweise einen Introvertierten möchtet, der beobachtend, fühlend und beurteilend ist, dann landet ihr beim Verteidiger. Jemand, der engagiert, hilfsbereit und warmherzig ist und geliebte Menschen oder Werte verteidigt.

Einen Charakter zu erschaffen kann eine gewaltige Aufgabe sein, doch mit der Hilfe des MBTI habt ihr einen guten Start, um eine authentische Perönlichkeit zu schaffen. Natürlich müsst ihr nicht jede Eigenschaft komplett erzwingen. Die Welt ist nicht schwarz und weiß und je nach Situation, den vorherrschenden Emotionen und die Erfahrungen der Person, ändern sich Entscheidungen und sogar Gewohnheiten. Dennoch kann euch das Wissen um diese grundlegenden Tendenzen weiter helfen.

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