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Symptome

Egal ob Schriftsteller, Blogger oder Journalist: Sie kann jeden treffen, der schreibt. Auch mich hat sie schon einige Male getroffen. Meistens dauerte sie nur wenige Tage, aber ich hatte sie auch schon wochenlang und hatte Angst, dass ich sie nie wieder loswerden würde.
Es gibt sie in verschiedenen Variationen. Wie eine Erkältung. Manchmal hat man nur Halsschmerzen, manchmal zusätzlich Husten oder Schnupfen. Ein anderes Mal Fieber. Bei der Schreibblockade ist es so, dass man vor einem leeren Dokument sitzt und beim besten Willen nicht weiß, wie man anfangen soll. Man starrt den Bildschirm an; das leere Dokument starrt zurück. Der Blick wandert zu Uhr und man stellt fest, dass schon eine halbe Stunde verstrichen ist und der Druck endlich etwas zu schreiben wird größer, der Kopf immer leerer. Draußen wird es langsam dunkel und man fühlt sich immer schlechter. Man sieht ein, dass es an diesem Tag nichts mehr wird und verschiebt es auf morgen. Nächster Tag, das gleiche leere Dokument. Im Hinterkopf Erinnerungen an die gestrige „Arbeit“ und das Gefühl von Versagen, das an einem nagt.
Eine Schreibblockade kann auch dann auftreten, wenn die Hälfte des Textes schon getippt ist. Man weiß nicht, wie man weiterschreiben soll. Jede Formulierung klingt blöder als die vorherige. Zwei Wörter werden geschrieben, zwei werden gelöscht. Drei geschrieben, drei gelöscht. Es geht einfach nicht weiter.
Wieder eine andere Art äußert sich darin, dass man von dem Berg an Arbeit überwältigt ist und sich alles in einem förmlich dagegen sträubt überhaupt anzufangen, weil man kein Anfang und kein Ende sehen kann.

Gegenmittel

Zum Glück ist eine Schreibblockade nur ein vorübergehender Zustand. Oftmals genügt es, einfach irgendetwas zu schreiben – auch wenn es leichter gesagt als getan ist, wenn man sich gerade damit herumquält.
Ich habe nachfolgend einige Methoden zusammengestellt, mit denen ihr die Blockade überwinden könnt. Gebt nicht gleich auf, falls es mit der erstbesten Methode nicht klappen sollte, sondern probiert solange eine andere aus, bis ihr die Blockade überwunden habt.

Arbeit aufteilen

Ein großes Projekt kann beängstigend sein. Ihr steht einem Aufgabenberg gegenüber und wisst nicht, wie ihr ihn erklimmen sollt? Dann solltet ihr ihn soweit abtragen, bis ihr viele kleine Hügelchen habt, die ihr problemlos meistern könnt. Unterteilt eure Arbeit so oft es geht. In Kapitel, in Szenen, … Wenn es sein muss, dann macht euch nur zwei Sätze zur Tagesaufgabe. Plötzlich sieht die Aufgabe nicht mehr so bedrohlich aus und wenn ihr schon dabei seid, springen vielleicht sogar noch mehr Sätze dabei heraus.

Schlecht schreiben

Für mich einer der besten Tipps. Er hilft nicht nur dabei, schnell die ersten Rohfassungen herunterzuschreiben, sondern auch dabei, einfach mit dem Schreiben anzufangen. Der innere Kritiker, der häufig für Schreibblockaden mitverantwortlich ist, wird dabei mundtot gemacht. Schlechte Formulierungen gibt es vorerst nicht mehr. Deaktiviert wenn es sein muss auch die Grammatik- und Rechtschreibkorrektur eures Schreibprogramms. Schreibt einfach drauf los. Das ist alles, was zählt. Für alles andere gibt es schließlich die Überarbeitungsphase.

Mittendrin anfangen

Wer sagt, dass man unbedingt vorne anfangen muss? Es spricht nichts dagegen, mit der Lieblingsszene anzufangen, auf die ihr euch schon die ganze Zeit freut oder mit der Stelle, für die ihr gerade die meisten Ideen habt.

Ortswechsel

Manchmal habe ich das Gefühl, mir fällt in meinem Arbeitszimmer die Decke auf den Kopf. Dann verzieh ich mich auf den Balkon oder gehe raus in die Natur. Wer keinen Laptop hat, kann auch einen Block zum Schreiben mitnehmen. Gegen die Schreibblockade ist jedes Mittel recht.

Themenwechsel

Egal, an welchem Projekt ihr gerade arbeitet, legt es beiseite. Die Schreibblockade zu überwinden hat jetzt oberste Priorität. Und nun sucht euch eine neue Schreibaufgabe, die für euch völlig ohne Druck verbunden ist.
Wie wäre es mit einem Eintrag in euer Tagebuch? Ihr müsst nur schreiben, was ihr heute erlebt habt. Außerdem ist die Qualität egal, da nur ihr selbst das Gelesene zu Gesicht bekommt.
Eine Kurzgeschichte für die Schublade? Es gibt zahlreiche Übungsaufgaben im Internet.
Eine E-Mail oder einen Brief? Eure Freunde freuen sich sicher darüber.

Und mein Extratipp: Schreibt über eure Schreibblockade. Lasst euch schriftlich darüber aus, wie sehr sie euch nervt, schreibt, wie ihr euch fühlt. (So ist dieser Artikel entstanden) Und voilà: Ihr habt etwas geschrieben.

Ihr habt ein anderes Gegenmittel gegen Schreibblockaden? Dann könnt ihr mir gerne einen Kommentar hinterlassen, damit ich die Liste entsprechend erweitern kann. Vielleicht ist es ja genau der Tipp, der einem anderen Leser weiterhilft!

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