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Habt ihr euch mal überlegt, für wen ihr eure Bücher schreibt? Zu wissen, was für ein Zielpublikum ihr habt, ist unglaublich wertvoll. Ihr werdet in der Lage sein klarer und ansprechender zu schreiben, weil ihr genau wisst, was eure Leser erwarten. Für eine einzelne, klar umrissene Person zu schreiben erleichtert diesen Prozess noch weiter. Falls ihr wissen wollt, wie ihr euren eigenen idealen Leser erschafft, lest einfach weiter.

1. Genre und Alter

Das Genre für welches ihr schreibt und das Alter eures Zielpublikums sind zwei der wohl wichtigsten Aspekte, die ihr beachten solltet.

Menschen, die ein Genre lesen, haben entsprechende Erwartungen an die Lektüre. Jemand, der einen klassischen Liebesroman liest, möchte blumige Beschreibungen und romantische, kuschlige Stimmung. Ein Leser von Suspense Thrillern erwartet Spannung, einen schnellen Lesefluss, aber sicher keine langatmigen Umgebungsbeschreibungen. Stellt euch eine spannungsgeladene Hetzjagd vor, in welcher der Autor plötzlich beginnt über die Farbe der Wolken, das Singen der Vögel in den Bäumen und dem frischen Duft des Frühlings zu philosophieren. Das fühlt sich nicht richtig an, oder? Deswegen macht es Sinn, sich mit seinem Genre auseinander zu setzen.

Das Alter ist ebenfalls von gewisser Bedeutung, denn euer Schreibstil sollte für die jeweilige Altersstufe angemessen sein. Für ein Kind schreibt ihr anders als für einen Jugendlichen oder einen Erwachsenen.

Werdet euch daher darüber klar, für welches Genre ihr schreibt und welche Altersspanne euer Zielpublikum haben wird.

2. Persönliche Merkmale

Neben Genre und Alter gibt es weitere Aspekte, über welche ihr nachdenken könnt. Was für ein Geschlecht hat die Mehrheit der Leser? Was arbeiten eure Leser? Über was für einen Wissensstand verfügen sie?
Schreibt ihr für Hausfrauen mittleren Alters? Richtet ihr euch an technisch interessierte junge Männer? Oder gebildete Wissenschaftler?
In jedem dieser Fälle wird sich eure Geschichte verändern. Wenn ihr einen Thriller mit viel Informatikwissen für technisch interessierte junge Männer schreibt, dann könnt ihr ein gewisses Grundverständnis erwarten. Dies ist nicht der Fall, falls ihr euch jedoch an den durchschnittlichen Senioren wendet, der vermutlich mit dem Senden einer Email überfordert ist. Logisch, oder?
Oder nehmt das Beispiel einer wissenschaftlichen Analyse neuster Erkenntnisse zur menschlichen Evolution. Eine Hausfrau, die sich nie mit diesem Thema auseinander gesetzt hat versteht sicherlich keinen Fachjargon, während ein Wissenschaftler aus diesem Gebiet damit keinerlei Probleme hat. Also müsst ihr unterschiedliche Erklärungen und Beschreibungen verwenden, um euer Anliegen zu vermitteln.

Wer also ist euer durchschnittlicher Leser und was weiß er oder sie?

3. Interessen und Erwartungen

Grundsätztlich ist es hilfreich zu wissen, was euer Publikum gerne hat. Dies hat auch mit den Erwartungen beim Lesen eines bestimmten Genres zu tun, aber ich halte die separate Erwähnung für nützlich.
Wenn ihr beispielsweise wisst, dass euer Publikum gerne Hintergrundinformationen zu bestimmten Themen hat, dann könnt ihr dies beim Schreiben beachten. Wenn sie jedoch lieber seichte Unterhaltung suchen, dann werdet ihr sie mit Details zur Raketenwissenschaft abschrecken.
Wenn sie sich nach einem Happy End sehnen, aber ein verheerendes Ende bekommen, werden sie vermutlich nicht sonderlich erfreut darüber sein.
Ich bin immer wieder fasziniert, wie ausschweifend die Beschreibungen in der Herr der Ringe sind. Aber offenbar ist dies genau das, was seine treuen Leser möchten. Sie wollen tief in die Welt von Mittelerde eintauchen und sich in ihr verlieren.
Leser von Dan Brown Büchern wiederum erwarten atemberaubende Action mit erschreckendem Realismus, Geheimnissen und unerwarteten Offenbarungen. Und genau das bekommen sie, wenn sie ein Buch von ihm lesen.

Was also mögen euere Leser besonders gerne? An was sind sie interessiert?

4. Bauanleitung

Jetzt kommt die eigentliche Erschaffung eures idealen Lesers. Ihr kennt nun euer Genre und die damit einhergehenden Erwartungen, ihr wisst, wie alt euer Publikum ist, was für ein Geschlecht und was für eine Bildung sie haben und was sie gerne mögen und wollen.
Stellt euch nun eine einzelne Person vor, die all diese Dinge verkörpert. Wahrscheinlich wird diese Person fiktiv sein, es kann jedoch auch vorkommen, dass ihr eine existierende Person im Kopf habt.
Für eine fiktive Person überlegt ihr euch nun einen Namen. Nichts außergewöhnliches. Es geht nur darum, diese Person realer zu machen. Dann definiert ihr das Alter und das Aussehen dieses Menschen. Dies wird es leichter machen, euch die Person beim Schreiben vorzustellen.
Als nächstes überlegt ihr euch ein paar Details zu Bildung, Familienleben und vielleicht auch, was für Bücher sie gerne lesen.

Hier ist ein Beispiel, um das Ganze greifbarer zu machen:
Lernt Luke kennen, einen 30-jährigen Angestellten mit einem Bachelor in Informatik, der für sein Leben gerne Sci Fi liest. Er sieht recht durchschnittlich aus, aber hat ein warmes und offenes Lächeln und dicke Augenbrauen. Er befindet sich in einer langjährigen Beziehung, hat aber keine Kinder und ist außerdem hochinteressiert an Technologie und den neusten Geräten. Seine absolute Lieblingsunterhaltung ist die Star Wars Serie und auch wenn er viel Spannung und Ungewissheit liebt, sehnt er sich doch insgeheim nach Happy Ends.

Manchmal suche ich noch nach einem Bild über Google, das der Vorstellung von der Person in meinem Kopf entspricht. Probiert es aus, wenn ihr wollt.

Wenn ihr euren eigenen idealen Leser erschaffen habt, dann denkt an diese Person, wann immer ihr an eurer Geschichte arbeitet.

Abschließend möchte ich hier noch sagen, dass ihr ab sofort zwar für eine sehr spezifische Person schreibt, aber dass ihr damit andere Leser nicht abschreckt. Im Gegenteil. Wenn eine Hausfrau an einem IT Suspense Thriller interessiert ist, dann wird sie diesen lesen, auch wenn ihr das Buch für technisch versierte junge Männer geschrieben habt. Und, was noch viel besser ist, sie weiß genau, was sie erwarten kann. Sie weiß, dass dieses Buch Details zu Informatik und vielleicht sogar typisches Gerede junger Männer beinhalten wird und das ist super! Es gibt nichts besseres, als die Erwartungen eurer Leser zu erfüllen.

Habt ihr Fragen? Ratschläge? Hinterlasst uns einen Kommentar.

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